Szene aus Nabucco

Nabuccos Auswärtsspiel im Gotteshaus

ALTSTADTHERBST Die Jubiläumsproduktion verfrachtet die Verdi-Oper in die Johanneskirche

Düsseldorf. Der Altstadt-Herbst beginnt in acht Tagen. Doch die Jubiläumsproduktion feierte jetzt Premiere: Verdis »Nabucco« in der Johanneskirche.

Zwar kehr das Festival, das vor 20 Jahren unter dem Motto Kleinkunst und Kultur in Kirchen und Kneipen antrat, damit zurück an seine Wurzeln. Doch ist die evangelische Stadtkirche ein opernfremder Ort. Zumal das alttestamentarische Sujet von Nebukadnezar und vom Ende der Babylonischen Gefangenschaft der Hebräer vom sechsten Jahrhundert vor Christus datiert. Geschickt wählt Regisseurin Nicola Glück ein minimalistisches Schwarz-Weiß-Dekor und eine zeitlose Ebene für die Gefangennahme der Hebräer durch Nabucco. Der Potentat in schwarzem Ledermantel und Stiefeln, seine machtgeile Tochter Abigaille in glitzernder Staatsrobe. Aus verletztem Stolz mutiert sie zur zornigen Furie; denn ihre Liebe zu Ismael, dem Königssohn von Jerusalem, wird nicht erwidert. Ismael zieht die Schwester Fenena vor.

Orchester, Sänger, Chor: Das musikalische Niveau überzeugt

Nabucco_WZEin Familiendrama, das für die Hebräer nach dem Einsturz des babylonischen Götzenbildes in ein Happy End mündet. Eindrucksvoll, aber seltsam wirkt es, wenn die bekehrte Abigaille direkt unter dem Kruzifix das Hohelied auf den jüdischen Gott Jehova singt. Die gläserne Kanzel der der Johanneskirche wird zum Thron, von dem aus Abigaille zunächst ihren scheinbaren Sieg über Vater und Schwester feiert. Altarraum und Kreuz, verhängt durch wehende Vorhänge, mutieren zur Projektionsfläche für Weltenbrände und zum Zufluchtsort der Hebräer. Sie schleppen sich über einen Laufsteg in das Kirchenschiff und stimmen den berühmtesten Gefangenenchor der Operngeschichte an.

Mehr als die Szene überzeugt das musikalische Niveau. Johannes-Kantor Wolfgang Abendroth führ die fein intonierenden Bochumer Symphoniker zu einem satten, aber auch lyrischem Belcanto-Sound und schweißt seine Kantorei mit dem Düsseldorfer Kammerchor zur suggestiven Klangkulisse. Die Sänger müssen den Vergleich mit der Rheinoper nicht scheuen. Hohes Niveau bieten der international gefeierte Tenor Thomas Piffka als Ismael, der kernige Bassbariton von Ulf Paulsen (als Nabucco) und Claudia Iten: Als furchtbar großartige Abigaille bietet sie großes Kino und schleudert, von der Kanzel aus, Spitzentöne wie Geschosse auf die Häupter ihrer Gegner. Jubel, Ovationen.

Quelle: Westdeutsche Zeitung

Nach oben