Szene aus Nabucco

Die »multimediale« Aufführung der Verdi-Oper ist trotz einiger misslicher Details ein Ereignis: Wolfgang Abendroth dirigiert die Bochumer Symphoniker mit emotionaler Wucht

Visionär: »Nabucco« in der Johanneskirche

Hautnah, beklemmend, visionär – das mögen taugliche Vokabeln sein, die Aufführung von Giuseppe Verdis »Nabucco« in der Johanneskirche zu beschreiben. Man saß bei diesem Auftakt zum »Altstadtherbst« ja wirklich mittem im Geschehen, nachgerade umzingelt von Musik, Bewegung und Licht. Und da schadete selbst ein maximal sicht- und hörbehindernder Außensitz (hinter den Kontrabässen, neben dem Schlagzeug) dem starken Gesamteindruck kaum.

Nabucco1_SusanneDiesnerFreilich: Die Ankündigung einer »multimedialen« Produktion war ein eher verwegener Umgang mit einem Schlagwort. Es gab nichts, was den mittleren Komfort herkömmlicher Inszenierung und Ausstattung überschritten hätte, die Reduktion der Mittel verwies eher auf Askese und Abstraktion. Ein Laufsteg führte in die Arena, Kanzel und Empore ergänzten die Spielfläche.

Im Hintergrund bot ein Vorhang illustrierende, symbolische und erklärende Projektionen an, auffälligste Requisiten waren die Tora-Rolle und ein riesiger weißer Ball, der, offenbar Sinnbild der Weltherrschaft, hin und her geschleudert und gerollt wurde.

Die Aktionen der Chöre (stimmlich exzellent und ungeheuer engagiert: Johanneskantorei und Düsseldorfer Kammerchor) und der Solisten führten über die notwendigsten handlungs- und sinnstiftenden Arrangements (Regie: Nicola Glück) kaum hinaus, retteten sich immer wieder in verbrauchte Mienen- und Gestenklischees. Doch trotz solcher misslichen Details lebte das Werk, kam die Botschaft an: Der Stoff des »Nabucco« (Religionskampf, Machtstreben) ist zwar der Bibel entnommen und diente dem Risorgimento der Verdi-Zeit. Doch über seine Gültigkeit für das Jetzt und Heute besteht kein Zweifel.

Indessen war die Hauptsache denn doch die Musik – Verdis kraftvoll geniales Frühwerk, die bedingungslose Hingabe aller Beteiligten. Wolfgang Abendroth dirigierte die Bochumer Symphoniker, als habe er sein ganzes Leben nichts als italienische Oper interpretiert. Bei den Hauptdarstellern imponierten Ulf Paulsen (Nabucco) und Claudia Iten (Abigaille) durch ihre emotionale Wucht am meisten, doch auch Annina Papazian (Fenena), Thomas Piffka (Ismaele), Rolf A. Scheider (Zaccaria) und Matthias Wippich (Oberpriester) blieben ihren Partien nichts schuldig.

Der Schlussbeifall nahm Dimensionen der Veroneser Arena an.

Quelle: Rheinische Post


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