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Viele Menschen haben erstaunliche Erfahrungen mit der Bibel gemacht. Die Frommen und Tiefreligiösen haben mit diesem Buch gelebt, gesprochen, gestritten und gelacht. Überzeugte Atheisten wie Karl Marx und Bert Brecht hielten die Bibel für das wichtigste, anregendste und aufstörendste Schrifttum, dem sie je begegnet sind. Goethe hat hier seine Idee zum Doktor Faustus bekommen. Und die Deutschen haben seit Luther an diesem Buch Deutsch gelernt. Dabei ist, was diese Bibel einzigartig macht, rein kulturgeschichtlich gar nicht zu beschreiben.

Frühjahr 2010 - Bibel-Lese-Kurs Vier frische Kostproben
Ich lade Sie ein zum Frühjahrs-Bibel-Lese-Kurs 2010 mit vier frischen Kostproben vom Tisch des Herrn. Für alle, die in den Vorjahren noch keinen Stadtkirchen-Bibel-Lese-Kurs mitgemacht haben, hier eine kleine Einstimmung auf unser Vorhaben: Wenn wir als Kinder in die Schule aufbrachen, gab es an der Tür ein immer gleiches Ritual. Eine Serie Mahnungen rieselte über herab und wehte uns nach: Gib an der Straßenbahn Acht! Geh nicht mit Fremden mit! Vergiss das Pausenbrot nicht! Pass in der Schule gut auf! Nicht, dass irgendwer noch drauf gehört hätte, aber es wäre kein guter Start in den Tag gewesen, wären diese Gebote einmal ausgeblieben. Man musste selber klar kommen, blieb aber durch ein unsichtbares Band verbunden. Lernte sich zu behaupten unter dem ›Gesetz des Schulhofs‹, blieb aber den Regeln, die zuhause galten, instinktiv verpflichtet.
Das Matthäusevangelium schließt mit einer Szene, die unsrer Haustürverabschiedung stark ähnelt. Der Auferstandene schickt seine Jünger ins Leben und gibt ihnen Mahnungen mit auf den Weg. Er lässt sie los und bleibt ihnen verbunden. Sie müssen allein klar kommen, aber der Kontakt reißt deswegen nicht ab. »Geht hin in alle Welt…“ sagt er seinen Jüngern, »macht zu Jüngern alle Völker…lehrt sie halten alles, was ich euch geboten habe“. Wie eine unsichtbare Hand, in die man fassen kann, um sich der Gegenwart des Himmels zu vergewissern, so reicht der Christus seinen Jüngern dieses »was ich geboten habe«. Dabei meint dieser Ausdruck nicht nur »Gebote« und »Verbote« im engeren Sinn. In der Glaubenssprache Israels umfassten die »Gebote« alle Worte der Zuwendung, der Fürsorge, die praktischen Mahnungen und die Überzeugungen, die man teilte. Es umfasste alles, was an Worten zwischen Himmel und Erde gewechselt wurde. Und es schloss alle Geschichten ein, in denen Lebewesen einander ihres Vertrauens versichern. Der Auferstandene schickt seine Jünger in die Lebensschule des Glaubens und in die Glaubensschule des Lebens: Seid Jünger und macht Jünger – ruft er ihnen zum Abschied nach.
Jünger – in der Sprache Israels ›Talmidím‹, in der Sprache der griechischen Christen ›Mathetái‹ – heißt wörtlich übersetzt Schüler. Bibel-Schüler. Gott-(Kennen)-Lerner. Das wichtigste Medium und Sprachbuch ist die Bibel. In ihren Geschichten lernen die Lebenstüchtigen, dass alle profanen Dinge auf Erden einen heiligen Rückraum haben. Und die weniger Erfolgreichen lernen, dass Erfolg ganz verschiedene Dimensionen haben kann. Und die Göttergleichen erfahren, dass es noch einen anderen Gott gibt. Und die Mutigen hören den Lockruf des Lebens mehrstimmig. »Passt in der Schule auf und macht zu Gott-Schülerinnen und -Schülern alle Menschen, denen ihr begegnet!« lautet seitdem der allmorgendliche Auftrag für Christen, an der Haustür. Seitdem ist das Bibellesen in der Kirche eine Art Sakrament. Es knüpft ein Band zwischen unten und oben.
Probieren wir es aus!
Termine
Der Kurs in diesem Frühjahr verteilt sich auf vier Mittwochabende im April/Mai. Bitte notieren Sie sich die Termine gleich in Ihrem Kalender: Mittwoch den 14. April, 21. April, 28. April und 5. Mai 2010.
Zeitrahmen
Um 19 Uhr beginnen wir im Foyer der Johanneskirche. Spätestens um 21 Uhr beenden wir unseren Abend. Das Café bleibt an diesen Abenden nach 18 Uhr geöffnet. Kommen Sie ruhig etwas früher und sammeln Sie sich bei einem Tee oder Kaffee.
Anmeldung
... telefonisch über unsere Sekretärin Frau Ortmanns (0211-60 17 08 15) oder per mail (
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) oder im Pfarrbüro (0211-135898, Pfarrer Vetter, Pfarrer Lücke) oder kommen Sie einfach unter der Woche ins Café und hinterlassen uns Ihre Adresse.
Hier sind unsere vier Bibeltexte
Erster Abend, Mittwoch 14. April 19–21h Die drei Namen der Katze – oder mein Name „bei dem ich gerufen bin“ Jesaja 43, Vers 1
Zweiter Abend, Mittwoch 21. April 19–21h Das kleine Wörtchen Sünde – zwischen Winzigkeitsneurosen und breitbeiniger Selbstgefälligkeit Markusevangelium 2, Verse 1-12
Dritter Abend, Mittwoch 28. April 19–21h »Für mich soll keiner sterben?« Das allererste urchristliche Bekenntnis 1.Korintherbrief 15, Verse 3-5
Vierter Abend Mittwoch 5. Mai 19–21h Was macht, dass ich so fröhlich bin? Über die Launen des Heiligen Geistes Johannesevangelium 3, Verse 1-8
FAQ
Darf man auch teilnehmen, wenn man sich nicht gut in der Bibel auskennt oder dem Religiösen eher distanziert gegenüber steht ? – Selbstverständlich! Ich freue mich auf Ihre Teilnahme, ob Sie nun mitdiskutieren oder einfach zuhören möchten.
Macht die Teilnahme Sinn, auch wenn man nicht an jedem der vier Abende da sein kann? – Auf jeden Fall. Ich versuche, jeweils zu Beginn in wenigen Worten den Ertrag des vorangegangenen Abends zusammen zu fassen.
Allgemeine Informationen
Was die Bibel einzigartig macht, ist, dass sie bis zum heutigen Tag die Fähigkeit besitzt, Menschen anzurühren. Die Szenarien ihrer Geschichten und ihre Ausdrucksweise mögen altertümlich klingen. Aber wer sich in diese Geschichten hinein vertieft, wer liest, was wirklich geschrieben ist, überschreitet irgendwann die Schwelle des distanzierten Bescheidwissens. Elohím Middabér - Gott spricht ohne Unterlass, heißt es in einer Mose-Szene. Nur sind die Menschen eben nicht zu jeder Zeit sensibel, hörfähig und konzentriert genug es zu vernehmen. Das Bibellesen war von Alters her ein Weg, die Nebengeräusche des Alltags herunter zu filtern. Juden und Christen, Skeptiker und Ästheten, einfache und hoch gebildete Menschen, Menschen, die von klein auf mit diesen Geschichten aufgewachsen sind und Menschen, die nie von Adám und Eva hörten ... aus allen Kreisen kamen sie und berichteten von diesen aufregenden Momenten, wenn man eine Bibelgeschichte so liest, dass sie heraustritt aus den Buchseiten, wenn wir uns in ihnen spiegeln und sie uns in ihre Glaubenserfahrungen hinein nehmen. Mystik des Bibellesens - in unserem Kurs meint es nicht Geheimlehre für Esoteriker oder Fachsimpelei unter Alleswissern. Die Mystik des Bibellesens kann auch der genießen, der in der Sache von weit her kommt. Mystik meint sich vortasten an den Punkt, wo eine Bibelgeschichte sagen darf, was sie selbst sagen möchte und zur persönlichen Anrede wird. Mystik meint das Herantasten an jenen Punkt, wo wir eingeweiht werden in die Gedanken und Erfahrungen und das Lebensgefühl von Menschen, die mit Gott gelebt haben und ihre Erlebnisse teilen möchten, über die Jahrhunderte hinweg. |